Projekt-Bericht

Unser Filmteam bestand aus 9 Schülerinnen und Schülern im Alter von 13 - 16 Jahren. Im Film sind auch einige Lehrerinnen und Lehrer in Gastrollen zu sehen.

Unsere "Hommage an Charlie Chaplin" entstand nicht aus einem Guß, sondern entwickelte sich zunehmend während der Dreharbeiten . Es war am Anfang noch nicht einmal geplant, Charlie Chaplin in irgendeiner Weise zu thematisieren. Den Tramp zu spielen war jedoch der Wunsch des Hauptdarstellers und seiner Mitschüler, was dazu führte, dass die ganze Handlung an die Figur des Tramp angepasst werden musste. Es bestanden Bedenken, ob "unser" Tramp auch wirklich "rüber kommen" würde.

Lediglich die Rahmenhandlung und die Schlußszene standen zu Beginn fest. Auf dem Weg dorthin wurde das Drehbuch ständig geändert, geplante Szenen verworfen, neue z. T. während des Drehs erfunden und eingebaut.
Nur wenige Szenen waren strukturiert geplant und geübt worden (nämlich "Arzt", "Bar" und "Café"). Meist wussten wir nur was passieren sollte, nicht aber wie es passieren solte. Wir dirigierten uns in Sackgassen und fanden erst beim Dreh eine witzige Lösung. Das funktionierte von Mal zu Mal besser und genau das war das Spannende an der Arbeit. Zum Schluss fanden die Proben einer Szene nur noch vor der Kamera statt. Spontane Ideen wurden so direkt festgehalten. Nicht selten inspirierten uns zufällig herumliegende Gegenstände, die wir dann in die Handlung integrierten - ein Vorteil des Stummfilms, da die Handlung nicht an Dialoge geknüpft ist!

Manchmal wurden mit Mühe gedrehte Szenen zum Schluß doch heraus geschnitten, da sie den Fluss der Erzählung störten, was vorher nicht abzusehen war.
Auch hatten wir einiges Pech durch fehlerhaftes Filmmaterial. Einmal ging eine Filmkassette  verloren, was einige Stunden unter heißer Sonne in Kostüm und Maske bedeutete, die umsonst investiert worden waren. Außerdem waren Nachdrehs erforderlich, was jedesmal einen großen Aufwand bedeutete. Zudem musste die Kulisse jedesmal identisch sein - im Freien vor einem Kornfeld nicht möglich, da es plötzlich abgemäht war. So zeigte sich die Schere beim Schnitt als ein Zauberstab, der "kaputte" Szenen durch die Montage "reparierte" und an einigen Stellen sogar verbesserte.

Der Ablauf eines Drehs war folgendermaßen:

An einem Drehtag waren im Allgemeinen immer nur die Darsteller dabei, die auch spielen mussten. So konnte für den Rest keine Langeweile aufkommen und es war immer sehr spannend, gemeinsam das fertige Rohmaterial anzuschauen und zu sehen, was die jeweiligen Schauspieler erarbeitet hatten.

Den Großteil der Außenaufnahmen drehten wir während der Pfingstferien in der Gegend von Heilbronn und im hessischen Odenwald. Die Übrigen  entstanden in Freiburg, Stegen, Zarten und Titisee im Schwarzwald an Wochenenden, freien Schulnachmittagen, sowie einigen Tagen in den Sommerferien. Eine Szene wurde während der Klassenfahrt in Elm (CH) gedreht.
Die Innenaufnahmen entstanden in einer Lagerhalle der Firma [fundu:z], eines freiburger Kostüm- und Kulissenverleihs. Dort wurden wir mit Kulissen und Beleuchtung versorgt. Auch Kostüme, die wir nicht selbst herstellen oder in Secondhand-Läden zusammenkaufen konnten, liehen wir uns von dort.

Insgesamt waren es ca. 25 Drehtage, davon mehr als die Hälfte ganztägig. Drehbeginn war am 20. April, letzter Drehtag war der 18. September 2002. Am 05. November mussten wir noch einmal eine Szene nachdrehen, weil die Post die Filme verloren hatte.

An den Schulnachmittagen drehten wir incl. Schminken meist ca. 2- 4 Stunden, bei ganztägigen Drehs waren es in der Regel 4 -10 Stunden.
Die Verpflegung wurde als "Buffet" aufgebaut, wo man sich zwischendurch an Brötchen, Brezeln, Keksen und Getränken bedienen konnte. Meistens drehten wir ohne größere Pause am Stück, bis wir die geplante(n) Szene(n) im Kasten hatten. Wir hatten kein Zeitlimit und hörten erst dann auf, wenn wir mit der Arbeit zufrieden waren, oder im Freien das Wetter zu schlecht, oder das Licht zu dunkel wurde.

Was anfangs als 15 - 20minütiger Kurzfilm geplant war, wuchs schließlich dank der Kreativität der Schauspielerinnen und Schauspieler zu einem einstündigen Spielfilm. Damit wuchsen natürlich auch die Kosten. Ein Drittel ließ sich durch Sponsorengelder abdecken, die restlichen zwei Drittel hoffen wir, in Form von Spenden bei Aufführungen einzuspielen.

Das Filmen hat bis zum Schluß Spaß gemacht und auch am letzten Drehtag war kein Gefühl von Überdruss zu spüren. Es war ein sehr anstrengendes Projekt für alle Teilnehmer, aber alle haben ihr Bestes gegeben und sich mit voller Kraft eingesetzt.

Aus dem Programmheft des Freiburger Kinderfilmforums:

"Die Stummfilmpantomime ist eine Kunstform, die die Grenzen zwischen Hörenden und Gehörlosen aufhebt. In diesem Sinn hat die Schülergruppe sich entschieden, Charlie Chaplin als Vertreter dieses Genres zu würdigen. Seine ausdrucksstarke Körpersprache läßt alle sprachlichen Barrieren verschwinden. Das Team möchte mit seinen Anspielungen auf bekannte Chaplin-Filme und Zitaten daraus an die meisterhafte Komik erinnern mit der Charlot die Herzen vieler Menschen verzauberte. „Eine Hommage an Charlie Chaplin“ ist eine stilechte Liebeserklärung an den Stummfilm und seinen größten Meister."

Inhalt:
Die Tochter einer wohlhabenden Familie ist einem zwielichtigen Professor zur Frau versprochen. Der Tramp stolpert in diese Familienangelegenheit hinein, kann den verbrecherischen Professor und seinen Gehilfen überführen und schließlich das Herz der Tochter erobern.

Buch, Kamera, Regie, Schnitt, Darsteller:
Filmteam der Hauptschule am BBZ für Hörgeschädigte Stegen unter der Leitung von S. Pößiger.

Super8, schwarz-weiß
Entstehungsjahr: 2002
Dauer: ca. 1 Stunde